Tag 1 kurz vor Carnarvon
Wir sind nun seit geraumer Zeit mit unserem Eddie in Richtung Darwin unterwegs.
Nach unserem kurzen Aufenthalt in Rockingham ging es weiter in den Norden nach Cervantes. Auf dem Hinweg konnte ich endlich mein erstes, in der Wildnis lebendes Känguru sehen. „Lebendes“ ist hier wohl falsch. Es lag tot am Straßenrand. Das war jedoch nicht das Einzige. Die nächsten 100km folgten etwa 10 Weitere. Irgendwann war dann jedoch auch endlich ein Lebendes dabei, was gerade noch davon hüpfte…
In Cervantes schliefen wir auf einem Parkplatz und machten uns gleich am nächsten Morgen auf den Weg zu den „Pinnacles“. Hierbei handelt es sich um senkrecht stehende, aus dem Boden ragende Steine. Sehr faszinierend. Nach einigen Fotos ging es weiter Richtung Geraldton.
Wir nahmen uns diese Stadt zum Ziel, da wir dort einen MC Donald’s vermuteten, wo alle Spiele der WM übertragen werden. Wir fuhren also 300km um das Deutschland – Serbien Spiel zu sehen. Als wir gegen Abend dort ankamen und uns wie ein Schnitzel freuten als wir das große, gelbe M aus der Ferne sehen konnten, schien der Abend gerettet. Felix wollte den Laden jedoch zuerst unter die Lupe nehmen und kam mit schlechter Mine zu Eddie und mir zurück. Scheinbar haben die wohl die Erfindung des TV- Gerätes noch nicht für sich entdeckt. Wir suchten uns einen Zeltplatz für die nächste Nacht und erfuhren schnell, dass es dort auch einen TV – Raum gibt. Blöd nur, dass dieser um halb 10 zumachte und das Spiel um 9 begann. Etwas enttäuscht beschlossen wir einfach Abendessen zu machen und das Spiel zu vergessen.
Nachdem ich mir beim Karottenschneiden den halben Ringfinger der linken Hand abschnitt, und ich blutüberströmt nach einem Pflaster bettelte, war ohnehin jeder Gedanke an Fußball aus unseren Köpfen verschwunden. So blieb uns auch die peinliche Niederlage der deutschen National 10-11 erspart.
Wir blieben ein paar Tage auf dem Zeltplatz und führten am 21.06 unsere Reise fort. Zunächst fuhren wir nach „Ellendale Pool“, wo wir eine weitere Nacht auf einem kostenlosen Zeltplatz direkt an einem sehr schönen Fluss verbrachten. Danach ging es zum „Coronation Beach“, wo wir wieder 2 Tage verweilten. Als wir am 24.06 weiter Richtung Kalbarri fahren wollte, streikte Eddie. 2 Tage Pause waren wohl zu viel für ihn, oder aber der Wasserhahn der durch die Hauptbatterie in Betrieb gesetzt wird, hat Ed’s Batterie leergesaugt. Nach einigen Versuchen das Auto zu starten, wollten wir ihm ein bisschen Verschnaufpause gönnen und setzten uns in der Zeit hinten auf die Couch.
Plötzlich rollte Eddie rückwärts davon.
Felix sprang mutig, wie er eben ist, in das rollende Auto und brachte es noch kurz vor einer Mülltonne zum stehen. Anschließend kam uns ein älterer Mann zur Hilfe und füllte Eddie mit neuer Lebensenergie. Danach machten wir uns auf den Weg nach Kalbarri, was bekannt durch seinen gleichnamigen Nationalpark ist. Noch am gleichen Tag konnten wir ein paar Highlights von diesem begutachten und machten zunächst am „Grandstand“ Halt. Dort erwartete uns ein großer Felsen, der zum gefährlichen Abstieg einlud. Mit Wandercrocs und Sneakers bereiteten wir uns auf die steinige Schlucht vor. Was wir von dort aus sahen, lässt sich kaum in Worte fassen. Es war wirklich wunderschön. Als es wieder ans Hochklettern ging, versagten beinahe meine Kräfte, wohingegen Felix immer noch fröhlich und munter wirkte.
Wir sahen noch ein paar weitere Attraktionen, wie die „Natural Bridge“ und den „Island Rock“. Danach suchten wir uns einen Schlafplatz um Kräfte für den nächsten Tag zu tanken. Am nächsten Morgen schauten wir uns eine Pelikan Fütterung am Strand an. Sehr spektakulär. Anschließend machten wir uns auf den Weg in den Nationalpark wo wir gleich zu Beginn zwei Touris rumkutschten. Die wollten scheinbar die nächsten 30km zum Fuß bewältigen.
Nach dem durchaus holprigen Weg und etwa 30 Minuten später hieß die erste Station „Nature’s Window“ – eine unglaubliche schöne Felsformation. Danach fuhren wir noch weitere Punkte an, die ebenfalls wunderschöne Ausblicke ermöglichten.
Zur Abenddämmerung machten wir uns auf den Weg Richtung Denham. Das Schild „Denham 330km“ sowie die große Angst ein Känguru oder Dingo platt zu fahren, waren für die Nacht auf einen 24h Parkplatz verantwortlich.
Am nächsten Morgen ging es also vollgetankt weiter. Wir hielten an Touriattraktionen wie „Hamelin Pool“, wo wir uns eine Telegraphenstation anschauten und die Hauptattraktion „Stromatoliten“ verpassten, da wir nicht wussten wonach wir Ausschau halten müssen. Das nächste Ziel hieß „Nanga Bay“. Unsere Straßenkarte lockte mit einem „Natural Spa“, den wir uns nicht entgehen lassen wollten. Vor Ort sahen wir den wunderschönen Strand mit glasklarem Wasser, von einem „Natural Spa“ hat dort jedoch noch niemand etwas gehört.
So ging es weiter zum „Shell Beach“. Wieder ein wunderschöner Strand mit türkisblauem Wasser. Anschließend schlugen wir erneut unser Nachtlager auf einem Zeltplatz direkt am Meer auf.
Am nächsten Tag bewältigten wir die letzten 30km nach Denham und fuhren nach einer kalten Dusche am Strand in den nahegelegenen Nationalpark mit dem wunderschönen Namen „Francois Peron National Park“. Da wir dort jedoch zum größten Teil nur mit 4WD weiter gekommen wären, fuhren wir nur die 1. Station an und begutachteten einen weiteren Natural Spa, ohne ihn zu betreten – wir waren ja schließlich frisch geduscht. Ein nächster uns wichtiger Punkt hieß „Monkey Mia“. Dort kann man vormittags zusehen wie Delphine direkt am Strand gefüttert werden. Da es jedoch etwa 4Uhr mittags war, verpassten wir auch das. Jammerschade.
Wir suchten uns also wieder einen Platz zum Übernachten und fuhren am nächsten Tag, heute!, weiter Richtung Carnarvon. Jetzt sind wir am „New Beach“, was etwa 30km vor Carnarvon ist. Als wir uns bei der Abzweigung „New Beach“ und „Bush Bay“ für den Strand entschieden, wussten wir noch nicht was uns bevorstand. Wir fuhren zunächst auf der sandigen Straße den Schildern nach, doch als man aus der Ferne Wohnmobile uns Zelte erahnen konnte entschied sich Felix kurzerhand dazu, die Strandnähe und etwas Einsamkeit zu bevorzugen. Mit einer leichten Rechtskurve ging es in Richtung Meer. Schade nur, dass Felix bei dieser Aktion wohl vergessen hat, dass Ed keinen 4WD hat, sonst hätten wir uns wohl nicht im Sand – Algen – Gemisch festgefahren.
Es ging weder vor noch zurück. Zunächst wollten wir Eddie einfach wieder ausbuddeln. Ohne Erfolg.
Ein paar Minuten später kam ein netter Herr, der unsere Bemühungen wohl schon etwas beobachtete und zog uns rückwärts mit seinem geländetauglichen Auto aus dem Sand. Das wäre geschafft, jetzt mussten wir nur noch gerade rückwärtsfahren um wieder auf den befestigten Weg zu gelangen. Da man hinten ja keine Augen hat, fuhr uns Felix allerdings direkt in den nächsten Sandhaufen. Der Mann traute uns scheinbar nicht mehr geistige Intelligenz zu, weshalb er nicht gleich davon fuhr sondern quasi nur darauf wartete uns wieder zur Hilfe zu eilen. Der nette Australier sagte uns dann genau wie wir weiter fahren sollten und schließlich fanden wir auch einen netten Platz, der unsere Ansprüche erfüllte. Felix kann ja gar nicht nahe genug am Wasser parken, sodass wir morgen dank der Flut wahrscheinlich mitten im Meer stehen werden.